Weshalb unsere Existenz bis ins Kleinste untrennbar mit dem ganzen Kosmos verbunden ist  – das und vieles mehr weiß der Physiker, Lehrer und (Schulbuch-)Autor Martin Apolin in seinem faszinierenden Sachbuch „Himmels-Körper“.

Seine erfrischend unkonventionelle Physiklehrbuch-Reihe „Big Bang“ hat längst Schule gemacht. Im aktuellen Wurf greift Apolin im Wortsinn nach den Sternen: „Himmels-Körper“ gibt faszinierende Einblicke in die Welt und den Bauplan unserer Körper. Wir sind alle Kinder des Kosmos, und das ist keinesfalls esoterisch zu verstehen. Unsere Körper sind aus Überresten des Urknalls und längst verglühter Sterne gemacht.

Der Mensch besteht aus 10 hoch 28 Atomen, aber nur 21 Atomsorten sind lebensnotwendig. Die Elemente Wasserstoff, Sauerstoff, Kohlenstoff, Stickstoff, Calcium und Phosphor sind die häufigsten Bausteine unseres Körpers. Die restlichen 15 Elemente machen weniger als ein Prozent aus, spielen aber trotzdem eine gewichtige Rolle: Ohne Eisen würden wir ersticken, und Iod verhindert bekanntlich den Kropf am Hals. Es bildete sich übrigens durch Neutronensternverschmelzungen. Dabei sind die berühmten Schwarzen Löcher entstanden – ja, die gibt es wirklich!

Zeit ist ein dehnbarer Begriff. Auch das Universum expandiert. Denkt man sich das rückwärts, landet man irgendwann bei einem explodierenden Punkt. Und mit dem hat alles begonnen. 13,8 Milliarden Jahre ist der Urknall oder Big Bang her. Was davor und unmittelbar danach passierte, exakter: in den ersten 10 hoch -43 Sekunden danach, entzieht sich unserer Kenntnis. Über alles andere herrscht unter Wissenschaftlern relative Einigkeit: Theoretisch entstand gleichviel Materie wie Antimaterie, die bei Kontakt hätten zerstrahlen müssen. Durch eine leichte Asymmetrie des Universums aber entging ein Rest Materie seiner Vernichtung – aus dem ist unser Körper gemacht. Der besteht zu zwei Dritteln aus Wasserstoffatomen, die Kerne bildeten sich großteils schon in der ersten Sekunde nach dem Urknall. Physikalisch gesehen sind wir also uralt.

Alle anderen zwanzig Atomsorten (das letzte Drittel) stammen vom Sternenstaub, sind also Überreste längst erloschener Sterne. Beim Kohlenstoffbrennen in alten Sternen entstand zum Beispiel das Element Sauerstoff. Unser Sonnensystem entstand vor etwa 4,6 Milliarden Jahren, indem sich Urknallreste und Sternenstaub zusammenklumpten. Kurz nach ihrer Geburt 100 Millionen Jahre später war die Erde noch ein Magmaball. Wasser kam durch Vulkanismus an die Erdoberfläche, später durch Asteroiden und Kometen. Erstes Leben bildete sich vor etwa 3,8 Milliarden Jahren.

Die Vorstellung, dass der Planet Erde nicht der einzige belebte und von Menschen bevölkerte ist, erscheint nicht aus der Luft gegriffen. Tatsächlich gibt es eine Billion anderer Galaxien, in denen das theoretisch möglich (gewesen) wäre.

Apolin versteht es wie kein Zweiter, hochkomplexe Zusammenhänge einfach und vergnüglich darzulegen. Was er aus den Disziplinen der Physik, Quantenmechanik, Biologie und Chemie zusammenträgt, ist das Neueste an Erkenntnissen. Woher wir kommen und wohin wir gehen: „Himmels-Körper“ ist eine aufregende Reise zum Kern des Menschseins, auf den Punkt verständlich und brillant aufbereitet.

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Martin Apolin, „Himmels-Körper. Der Mensch, das Universum und der ganze Rest“ (Ecowin), 264 S.